Kreisarchäologie Archäologie im zentralen Elbe-Weser-Dreieck

Oldendorf

Oldendorf 52, 69 Süd und 69 Nord

Spätpaläolithikum und Mesolithikum

Die Stationen bei Oldendorf, Ldkr. Rotenburg (Wümme), wurden in den Jahren 2000 bis 2008 unter Leitung von Klaus Gerken im Auftrag der Kreisarchäologie Rotenburg (Wümme) ausgegraben. Die geborgenen Inventare setzen sich aus spätpaläolithischen Artefakten der Federmesser-Gruppen und spätmesolithischen Artefakten zusammen. Nach ersten Ergebnissen handelt es sich um einzelne, jeweils zeitlich eng begrenzte Inventare. Neben Flint- und Felsgesteinartefakten sind auch kleinfraktionierte verbrannte Tierknochen belegt sowie eine große Anzahl Holzkohle. Es wurden zahlreiche Feuerstellen dokumentiert sowie große trichterförmige Gruben (mesolithische Grabgruben?).

Das Fundmaterial und die Befunde versprechen umfangreiche Ergebnisse. Besonders im norddeutschen Tief-und Binnenland sind sie von großer Bedeutung, da hier der Forschungsstand für diese Zeitperioden immer noch völlig unzureichend ist.

Anhand des Fundplatzes Oldendorf sind beispielsweise Erkenntnisse zur Funktionsinterpretation der Feuerstellen zu erwarten (Lagerfeuer, Haselnussröststelle, Gargrube, Pechgewinnung, retooling der Pfeilbewehrung), insbesondere auch im Zusammenhang mit dem unterschiedlichen Aufbau der Feuerstellen und den darin nachgewiesenen Holzarten. Spiegeln die Holzarten das durch 14C-Daten fixierte zeitliche Vegetationsbild wider oder liegt eine Selektion von Holzarten vor? Gibt es eine Korrelation der Feuerstellenart mit dem nachgewiesenen Siedlungsinventar im Vergleich mit anderen Fundstellen?

Ebenso kann die Siedlungsplatzstruktur eingehend analysiert werden. Durch das Zusammenpassen von Flintartefakten könnten zum einen Aussagen zur räumlichen Aufteilung der Fundstellen gewonnen werden, ebenso wie zur Fixierung möglicher zeitlich differenter Strukturen. Gleichfalls könnten durch das Zusammenpassen von Rohmaterialeinheiten Erkenntnisse zu Schlagtechniken und der Rohmaterialversorgung vor Ort erzielt werden.

Fundmaterial

Die Artefakte wurden sowohl im ca. 20-25 cm mächtigen Ah-Horizont als auch im B/C-Horizont dreidimensional eingemessen und das Sediment durch ein 3,5 mm Maschenweite aufweisenden Sieb gegeben.

Fundmaterial: Von der Fundstelle Oldendorf 52 liegen ca. 60 000 Artefakte incl. Holzkohleproben vor (davon ca. 18 000 Absplisse). Abgesehen von den Absplissen sind alle Artefakte beschriftet. Ca. 70 % der Artefakte sind bereits mit den Grundinformationen in einer Datenbank erfasst (Analithic III). Die ca. 16.000 Artefakte der Fundstelle Oldendorf 69 (gesamt) sind vollständig (bis auf die Absplisse) beschriftet und in der Analithic III Datenbank eingelesen.

Die Koordinaten sind in Listen und in einzelnen Quadratplänen erfasst, ebenso die Lage der Befunde. Gleichfalls liegen Zeichnungen der Befunde vor. Eine tachymetrische Einmessung liegt nicht vor.

Die genannten Fundstellen sind nur Ansatzweise ausgegraben. Hier bietet sich noch genügend Potenzial die Datenbasis zu erweitern und die gewonnenen Erkenntnisse zu überprüfen.

Analysen

Die Holzkohle aus den Befunden der Fundstelle Oldendorf 52 ist weitestgehend holzanatomisch untersucht.

14C-Datierungen: >30 (aus den Feuerstellen)

Das Siedlungsareal wurde geomagnetisch prospektiert. Die dadurch erfassten Anomalien wurden exemplarisch durch Grabungen überprüft und haben zum Teil diese als archäologische Befunde bestätigt.

Literatur

Gerken, K.: Studien zur jung- und spätpaläolithischen sowie mesolithischen Besiedlung im Gebiet zwischen Wümme und Oste. Arch. Ber. Ldkr. Rotenburg (Wümme) 9 (Oldenburg 2001).

Gerken, K.: Das Jung-und Spätpaläolithikum sowie Mesolithikum im Landkreis Rotenburg (Wümme). Aktueller Forschungsstand. Die Kunde N.F. 52. 2001, 255 – 274.

Gerken, K.: Geophysikalische Prospektionsmethoden zur Erfassung vorkeramikzeitlicher Befunde am Beispiel der Fundstelle Oldendorf 69, Ldkr. Rotenburg (Wümme). Arch. Ber. Ldkr. Rotenburg (Wümme) 15, 2009, 273 – 304.

Gerken, K.: Holtorf 9 – Einige Gedanken zu Fundstellen mit mesolithischen Feuergruben in Niedersachsen. In: K. Gerken / D. Groß / S. Hesse (Hrsg.), Neue Forschungen zum Mesolithikum. Beiträge zur Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Mesolithikum Rotenburg (Wümme), 19.–22. März 2015. Arch. Ber. Ldkr. Rotenburg (Wümme) 20 (Oldenburg 2016), 5 – 42.

Gerken, K. / Gross, D. / Wild, M., Einsichten zum Spätpaläolithikum und Mesolithikum im Ldkr. Rotenburg (Wümme). Die Exkursion am 22.03.2015. In: K. Gerken / D. Groß / S. Hesse (Hrsg.), Neue Forschungen zum Mesolithikum. Beiträge zur Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Mesolithikum Rotenburg (Wümme), 19.–22. März 2015. Arch. Ber. Ldkr. Rotenburg (Wümme) 20 (Oldenburg 2016), 277– 300.